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  • Bilder der Welt und Inschrift des Krieges

    BRD 1988,16mm, 75 Minuten


    STAB

    Kamera:
    Trick-Kamera:
    Ton:
    Mischung:
    Negativschnitt:
    Recherche und Regieassistenz:
    Produktion:
    Ingo Kratisch
    Irina Hoppe
    Klaus Klingler
    Gerhard Jensen-Nelson
    Elke Granke
    Michael Trabitzsch
    Harun Farocki
    mit Mitteln der Kulturellen
    Filmförderung NRW

    BIOGRAFIE

    1944 geb. in Neutitschein
    Kurzstudium an der dffb Berlin
    seit 1965 an die 90 Filme zwischen Kinderfernsehspot und Spielfilm.
    1973 bis 1984 Autor und Redakteur der Zeitschrift FILMKRITIK.
    Seit 1992 zahlreiche Retrospektiven und Ausstellungen (siehe: www.farocki-Filme.de).
    lebt und arbeitet in Berlin


    FILME

    1968
    1969
    1970
    1971

    1973
    1975
    1979

    1982
    1983
    1984
    1985
    1986
    1987
    1988
    1990
    1993
    1994
    1995
    1996
    1997
    1998
    2000
    2001
    Die Worte des Vorsitzenden
    Nicht löschbares Feuer
    Die Teilung aller Tage (zusammen mit Hartmut Bitomsky)
    Eine Sache, die sich versteht (zusammen mit Hartmut Bitomsky)
    Zwischen zwei Kriegen (1971-1977) - im Basis-Film Verleih
    Der Ärger mit den Bildern
    Erzählen (zusammen mit Ingemo Engström)
    Der Geschmack des Lebens
    Zur Ansicht: Peter Weiss
    Etwas wird sichtbar - im Basis-Film Verleih
    Ein Bild
    Peter Lorre: Das doppelte Gesicht
    Betrogen
    Wie man sieht - im Basis-Film Verleih
    Die Schulung
    Bilder der Welt und Inschrift des Krieges - im Basis-Film Verleih
    Leben - BRD - im Basis-Film Verleih
    Videogramme einer Revolution - im Basis-Film Verleih
    Die Umschulung
    Arbeiter verlassen die Fabrik
    Der Auftritt
    Stilleben
    Worte und Spiele
    Ich glaubte, Gefangene zu sehen
    Die Schöpfer der Einkaufswelten


    INTERVIEW

    Gespräch mit Harun Farocki:
    In "Etwas wird sichtbar" sagt Robert: Man muß alles verbinden. Das ist auch die Methode des Films. Beschreibt dieser Satz auch "Bilder der Welt und Inschrift des Krieges"?

    H.F.: Ja,das ist fast wie bei einem Domino-Spiel. Man probiert die Wertigkeiten. Verbinden heißt dabei natürlich nicht, alles einzuebnen, sondern, daß man eine Spannung zwischen den Verschiedensten Dingen sucht oder findet. In "Wie man sieht" habe ich sehr weit auseinanderliegende Dinge in Verbindung gebracht: z.B. die Bedeutung der Weggabelung und die Geburt der Rechenmaschine aus dem Geist der Weberei. In diesem Film nun liegen die Gegenstände nicht so weit voneinander entfernt. Die Spannung soll sich eher aus der Weise aufbauen, in der sie aufeinander bezogen werden. "Bilder der Welt -Inschrift des Krieges" hat einen übersichtlichen Bauplan, in dem sich bestimmte Themen wiederholen.

    H.F.: Der Film hat eine rhythmische Komposition. Er geht nicht von A zu B oder Z; er durchläuft Schleifen. Die Dinge, die erscheinen, kommen verändert immer wieder an verschiedenen Stellen vor. In anderer Umgebung und von anderer Seite. Das gilt nicht nur für die Themen, das gilt auch für die Bilder.

    In deinen Filmen wird die Macht des Augenscheins stets gebrochen, die Bilder werden entschlüsselt und gelesen. Warum muß man den Bildern mißtrauen?

    H.F.: Man muß gegen Bilder ebenso mißtrauisch sein wie gegen die Wörter. Es gibt keine Literatur ohne Sprachkritik, ohne daß der Autor der vorhandenen Sprache gegenüber kritisch ist. Ebenso ist es bei Filmen. Man muß keine neuen, nie gesehenen Bilder suchen, aber man muß die vorhandenen Bilder in einer Weise bearbeiten, daß sie neu werden. Da gibt es verschiedene Wege. Mein Weg ist es, nach verschüttetem Sinn zu suchen und den Schutt, der auf den Bildern liegt, wegzuräumen. Ich versuche dabei nicht, dem Film Ideen beizugeben; ich versuche, in Film zu denken, damit die Ideen aus der filmischen Artikulation kommen. So wie es ein Unterschied ist, ob man in einer Sprache denkt und spricht oder ob man das Gedachte in eine andere Sprache übersetzt. Ganz wörtlich habe ich dabei die Texte aus dem Schneidetisch und nicht die Schnitte aus der Schreibmaschine.

    Der Film spielt mit Parallelen; z.B.der zwischen der Haltung des SS- Mannes, der die Schönheit der Gefangenen fotografisch einfängt und dem Meßbildverfahren, das dazu taugt, Bauwerke, für den Fall der Zerstörung, rekonstruieren zu können. So gelingt eine Vergegenwärtigung des Vergangenen.

    H.F.: Man muß es sich so vergegenwärtigen: Hannah Arendt fand Eichmann lächerlich, sie mußte über ihn lachen. Die Leute heute, die die Massenvernichtungswaffen gebaut haben und die jetzt an SDI arbeiten, sind nicht einmal Ideologen wie Eichmann. Sie sind nicht einmal lächerlich. An uns richtet sich die Frage, warum wir nichts gegen die Vernichtungswaffen tun, die es heute in unserer nächsten Nähe gibt. Damals wurde Auschwitz nicht bombardiert, es wurde nicht gehandelt, wo handeln wir heute nicht? Die Amerikaner sagten, sie müßten zuerst den Krieg gegen die Nazis gewinnen. Wir handeln wie die Amerikaner 1944: Wir brauchen unsere Kraft für etwas anderes. Für was?
    (Interview:Stefan Reinecke)